Creating Myself

Wer sind wir eigentlich – die Antwort auf diese Frage ist nicht mehr selbstverständlich, falls sie es jemals war. Sind wir eine leere Leinwand, die wir selbst bemalen? Sind wir eine Ansammlung von Teilchen, von denen viele immer wieder ausgetauscht werden? Sind wir die Krone der Schöpfung, die doch schon heute im Denken und Gestalten durch künstliche Intelligenz übertrumpft wird? Identität stammt vom lateinischen „Idem = derselbe“, aber unsere Zeiten suggerieren eher ständigen Wandel…

Solchen Überlegungen gehen Studierende des noch jungen Studiengangs „Neue Medien & Interkulturelle Kommunikation“ an der Hochschule Landshut nach. Die präsentierten Werke – Gemälde, Fotografien, Collagen, Mobilés und interaktive Werke – sind im Rahmen verschiedener Seminare entstanden und finden im Landshuter Tunnelhaus eine optimale Präsentationsfläche.

Zu sehen gibt es zum Beispiel einen gebrochenen Spiegel als Mobile, neben den Spiegelscherben auch statische Portraitfotos an dünnen Seilen baumelnd – ein Werk, das Dynamik und Statik von Identität thematisiert.

Ein anderes Exponat versetzt den Betrachter in die Rolle eines Personalchefs, der an einem typischen Arbeitstisch Platz nehmen darf und eine Kandidatin auswählen soll. Die Bewerbermappen zeigen u.a. eine elegant gestylte Dame, eine Frau im Emostyle, eine Frau mit Kopftuch und ein leger gekleidetes Mädel. Bei genauem Hinschauen und Lesen der Unterlagen fällt allerdings auf: Es ist immer dieselbe Person.

Anfängliche Ressentiments werden so auf den zweiten Blick enttarnt. Eine Schachtel, die einem dunklen Zimmer ähnelt, berherbergt weitere Exponate: In ihr befinden sich mehrere transparente Kugeln wie Seifenblasen. Darin sieht der Betrachter  zum Beispiel Tabletten, die an Sucht erinnern, ein verunglücktes Auto oder blutige Messer – persönliche Traumata, die Menschen heimsuchen, die aber auch aus der Bubbles entlassen werden können, Albtraum und Hoffnung nah beieinander.

Die Studierenden haben ihre Werke mit intensiven Recherchen zu dem jeweiligen Thema untermauert, angesprochen in den Artist Statements, die ebenfalls Teil der Ausstellung im Tunnelhaus sind. Wichtig ist ihnen der respektvolle Umgang mit sensiblen Themen, die oft auch Bezüge zu eigenen Erfahrungen aufweisen.

Der kreative Prozess beinhaltet damit auch therapeutische Züge. Um die Betrachter einzubinden und zum Dialog anzuregen, umfassen viele Arbeiten interaktive Elemente. Man kann sich beispielsweise eine Identität selbst auf einer Pinnwand zusammenstellen oder sich in einem düsteren Minizelt typischen Ängsten stellen – und man konnte bei der Vernissage natürlich mit vielen Künstler*innen ins Gespräch kommen.